Kinogeschichten: „…where the heart of the story is.“

Dieser Artikel erschien bereits im Dezember 2021 auf „Abgeschminkt“, und wurde im Rahmen des Konzertfilms HANS ZIMMER & FRIENDS: DIAMONDS IN THE DESERT ergänzt und überarbeitet.
Hans Zimmer 1 - Screenshot Courtesy TRAFALGAR RELEASING

Bisher haben Regisseur Christopher Nolan und Komponist Hans Zimmer sechsmal zusammengearbeitet. Eine siebte Zusammenarbeit steht noch aus, weil sich Zimmer seinen Jugendtraum eines DUNE-Soundtracks erfüllen konnte. Deswegen engagierte Nolan für TENET Ludwig Göransson. Beide Filmmusiken entstanden somit zeitgleich. Da mutet es schon unheimlich an, dass Göransson einen Score komponierte, der mit seinen unruhigen, oft disharmonischen Klängen in weiten Teilen dem von DUNE sehr ähnlich ist. In der Regel wird der Charakter der musikalischen Untermalung vom Thema des Films geleitet, und mit den Vorstellungen des Regisseurs besprochen, abgeglichen und verfeinert. Das Vertrauensverhältnis zwischen Christopher Nolan und Hans Zimmer ist aber ein anderes. Es geht tiefer, und hat die rationalen Ebenen einer fruchtbaren, systematischen Wechselwirkung von Kreativität längst hinter sich gelassen.

Nach der Batman-Trilogie und INCEPTION war INTERSTELLAR die fünfte Kollaboration von Nolan und Zimmer. Nur in dem Moment als der Musiker von seinem Kollegenfreund um einen Gefallen gebeten wurde, wusste Zimmer noch nichts von einer siebten Kollaboration. Der Filmemacher fragte den Komponisten, „wenn ich dir nur eine Seite gäbe, und Du wüsstest überhaupt nicht worum es geht, nur diese eine Seite, würdest Du mir einen Tag Arbeit schenken?“ Das so etwas nicht nur Ehrgeiz weckt, sondern auch brennende Neugierde, versteht sich von selbst. Und Nolan lockte seinen Freund, „was immer dir an diesem Tag einfällt, wird in Ordnung sein.“

Was Hans Zimmer in einer Nacht schrieb, war ein vier Minuten langes Stück für Piano und Orgel. Zimmer suchte Inspiration im Gedanken, was es bedeutet ein Vater zu sein. Christopher Nolans maschinengeschriebener Brief enthielt nur vage Hinweise von einem Vater, der seine Familie wegen eines wichtigen Auftrages verlassen muss. Wie sich später herausstellte, hatte Nolan diesen Brief auf der alten Schreibmaschine seines Vaters geschrieben. Das nur eine Seite lange Schriftstück enthielt lediglich zwei Dialogfragmente: „Ich werde zurück kommen.“ und „Wann?“

Dieses in der Nacht entstandene Musikstück hörten sich die beiden Freunde am nächsten Morgen zusammen an. Christopher Nolan hatte nur einen Kommentar: „Nun, es ist besser wenn ich mit dem Film sofort beginne.“ Erst später erfuhr Zimmer von den ausufernden Dimensionen des Films, seine Reise und die Zeit die überwunden werden muss. Diese epische Mischung von Wissenschaft, Philosophie und der Unendlichkeit des Universums. Dieses Stück Musik führte Nolan durch den Prozess des Drehbuchschreibens, und war später Begleiter während der Dreharbeiten. Was an diesem einen Nacht geschrieben wurde, blieb als Grundthema für den gesamten Soundtrack von INTERSTELLAR erhalten, der durchgängig von Piano und Orgel bestimmt wird.

Hans Zimmer 4 - - Screenshot Courtesy TRAFALGAR RELEASING

Der spontane Entschluss Christopher Nolans, den Film aufgrund von Hans Zimmers musikalischen Einfällen zu realisieren, überraschte den Komponisten. Doch es hatte einen Nerv getroffen haben, der den Regisseur veranlasste, umgehend mit dem Projekt zu beginnen. Nach wie vor war Hans der Auffassung, dass es ein kleines, sehr persönliches Stück sei, welches dem Anspruch und der Tragweite des angedachten Films vielleicht nicht gerecht werden würde. Aber Christopher konnte seinen Freund Hans besänftigen, „nun, aber ich weiß jetzt wo das Herz der Geschichte liegt.“ Später ergänzte Hans Zimmer in einem Interview, „alles an diesem Film ist persönlich.“

Bildrechte: Screenshot Courtesy TRAFALGAR RELEASING
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