AU FIL DES SAISONS
– Bundesstart 27.03.2025
– Release 21.02.2024 (FR)
Für Filme wie FUNNY BIRDS wurde der Begriff Dramödie erfunden. Wobei das franko-amerikanische Filmemacher-Tandem Hanna Ladoul und Marco La Via die Genre-Grenzen in ihrem Film nicht verschwimmen lassen, sondern nur im Mittelteil dem Drama einen erheiternden Anstrich geben. Wenn am Anfang die Studentin Charlie auf die Farm zu ihrer entfremdeten Mutter Laura kommt, ist das klassisches Drama mit klassischem Konfliktpotenzial. Das letzte Drittel bietet spärliche Unterhaltung in der Komödie, mit fast schon Slapstick-artigen Einschüben. Dies geschieht, nachdem sich alle drei Damen zusammengerauft haben. Denn im Mittelteil kommt noch die von Laura entfremdete Mutter Solange hinzu, von der Charlie hier das erste Mal erfährt. Es gibt also viel Entfremdung aufzuarbeiten.
Mit Morgan Saylor als Charlie, Andrea Riseborough natürlich als Laura und Catherine Deneuve verständlicherweise als Großmutter Solange, hat der Film ein fantastisches Trio gefunden. Ein Trio, das die Geschichte ‚über die Jahreszeiten‘ – so der Originaltitel – auch dringend braucht, um wenigstens ansatzweise interessant zu sein. Man spürt die brodelnde Unzufriedenheit von Saylors Charlie, die versucht ihrer Mutter während der Chemotherapie zu helfen, an einem Ort, der überhaupt nicht für sie gemacht ist. Riseborough lässt Lauras schwindende Kräfte und trotzigen Kampfgeist wahrhaftig mitfühlen. Während die rätselhafte, ignorant workende Solange durch Deneuves herrlich unkompliziertes Spiel zu einem schillernden Vergnügen werden könnte.
Das Trio überzeugt im Drama und auch im Humor, sie sind glaubwürdig in ihren schwierigen Beziehungen. Doch was die Damen leisten, und sie darüber hinaus noch bieten könnten, kann die bieder geschriebene und inszenierte Geschichte nicht aufnehmen. Die nach dem Handbuch für Dramödien strukturierte Handlung zeigt weder Neues noch wirklich Originelles. Ladoul und La Via versuchen sich mit der interessanten Idee, dass Lauras Hühner von der Geflügelpest bedroht sind. Damit wird eine notwendige, aber nicht ausreichende Nebenhandlung geschaffen, um den zwar bestmöglich gespielten, aber sehr schwach gezeichneten Figuren eine Grundlage für ihre emotionale Annäherung zu bieten. Dieses stilistische Konzept war schon bei hunderten von Filmen erfolgreich. Dementsprechend hat man das alles schon hunderte Male gesehen.
Bühnenbild und Ausstattung tragen auch nicht dazu bei, für den Film eine eigenständige Atmosphäre zu schaffen. Viel zu sauber, aufgeräumt und charakterlos ist Lauras Farm, um als Domizil einer alleinstehenden Frau glaubwürdig zu sein. Was die Kamera von Virginie Surdej ungünstigerweise mit Hochglanzfotografie und strahlendem Landidyll auch noch unterstützt. Gut gemeinte Frauen-Power verflüchtigt sich in emotionalen und charakterlichen Standards. Dem Film fehlt schlicht der Mut, in diesem Subgenre eine losgelöste Souveränität zu finden und umzusetzen. Das hätte vor allen dem dynamischen Trio auf der Leinwand sehr gut getan – und noch viel mehr dem Publikum.
Darsteller: Morgan Saylor, Andrea Riseborough, Catherine Deneuve, Naima Hebrail Kidjo, John Robinson, Ken Samuels u.a.
Regie & Drehbuch: Hanna Ladoul & Marco La Via
Kamera: Virginie Surdej
Bildschnitt: Camille Delprat
Musik: Juan Cortés Arango
Frankreich, Belgien, Großbritannien / 2024
97 Minuten