EIN MINECRAFT FILM

Minecraft - (c) WARNER BROS.A MINECRAFT MOVIE
– Release 03.04.2025 (world)

Der Film ist auf so vielen Leveln schlecht, wie er auf so vielen Leveln gut sein könnte. Moment, ergibt dieser Satz einen Sinn? In gewisser Weise, denn der Verfasser dieser Zeilen hat Minecraft weder gespielt, noch profundes Wissen zur Spielterminologie. Warum das dennoch eine Besprechung rechtfertigt, liegt eigentlich auf der Hand. Ein stark beworbener, für alle Altersklassen gedachter und hoch finanzierter Prestigefilm sollte publikumsübergreifend funktionieren. Insider und Außenstehende sollten zu gleichen Teilen unterhalten werden. Das ist ein Filmstudiogesetz der ersten Tage, was Tentpole-Filme betrifft. Jene hochkalkulierten Produktionen, die so viel Geld machen, um den Luxus der Produzenten zu sichern. Doch „A Minecraft Movie“ tut dies nicht. Aber dies auch noch mit vorheriger Ansage von Regisseur Jared Hess. Sein Film ist offensichtlich nicht auf das breite Publikum ausgelegt, ebenso wenig wie sich das Computerspiel der üblichen Regeln bedient. Damit sind sich Film und Spiel schon wieder verdammt nahe.

„A MINECRAFT MOVIE“ ist ein Film, der auf allen Ebenen derartig willkürlich ist, dass es nur Absicht sein kann. Das Spiel ist frei von allen Restriktionen und Regeln. Man kann mit diversen Steinen so opulent und viel bauen wie man will. Landschaften, Häuser, Städte und Welten ohne Limit generieren. Man kann gegen Feinde kämpfen, oder einfach nur ’schürfen‘ und ‚gestalten‘. Willkürlich. Im Film verschlägt es ein Quartett standardisierter Figuren von der realen Welt in die würfelförmig aufgebaute Oberwelt, um den Menschen Steve aus der Knechtschaft von Malgosha, Herrin der Niederwelt, zu befreien. Seit Jahren lebt Steve in dieser durch Inspiration zum Leben erweckten Welt, wo er nach Herzenslust ’schürfen‘ und ‚gestalten‘ konnte. Nun jetzt braucht es den eckigen Wolf Dennis, der die ungleichen Vier aus der realen Welt zur Rettung holt.

Eigentlich ist es erschreckend, wie unbekümmert frei sich auch Regisseur Jared Hess durch das von gleich fünf Autoren verfasste Drehbuch inszeniert. Und hier taucht erneut dieses garstige Wort auf: Willkür. Hess hat es als Herausforderung angesehen, den Film zu schaffen, wie das Computerspiel – frei von Zwängen und Beschränkungen. Was natürlich nicht gelingen kann, weil der Film sonst keinen Anfang und kein Ende hätte. Und so sieht die Geschichte dann auch exakt danach aus, als hätten fünf Autoren diverse Ideen einbracht und der Regisseur sie willkürlich aneinandergereiht. Der Film hat keine klare Struktur, stolpert nur von einer Actionszene in die nächste, es gibt keine Überraschungen – und, noch viel schlimmer, keine Momente der Magie oder des Staunens.

Unentwegt wird gekämpft, zerstört, oder etwas erschaffen – Klötzchen über Klötzchen. Quadratisch geformte Ferkel wollen den Helden an die Wäsche. In den Nachphasen kommen kantige Zombies. Dazwischen tummeln sich eckige Schafe. Pausenlos streiten die Helden, und es werden Waffen gestaltet. Zwischen Verwunderung und Verstimmung liegen versprengt dann doch zündende Gags und bemerkenswerte Einfälle. Ihre Zahl ist allerdings sehr übersichtlich. Die sich schnell einstellende Ermüdung hat viel mit den Charakteren aus dem Regelbuch der Familienunterhaltung zu tun, mit denen weder der Regisseur noch die Darsteller etwas Originelles anzustellen vermögen.

Minecraft 1 - (c) WARNER BROS.

Als Steve zieht Jack Black seine altbekannten Routinen ab und hat leider vergessen, was ihn mit seiner Art so gut in „Jumanji“ machte. Beim einstigen Idol der Gamer-Szene, Garrett ‚Garbage Man‘ Garrison, sieht man Jason Momoa in einer seltsamen Weiterführung seiner Figur aus „Schlummerland“. Jennifer Coolidge wiederholt unverfroren ihre „The White Lotus“-Rolle. Und obwohl Emma Myers bereits die Zwanzig überschritten hat, wirkt sie als erziehungsberechtigte Schwester Natalie sogar jünger als ihr fünfzehnjähriger Bruder, der nerdige Tech-Freak Henry, gespielt von Sebastian Hansen. Und das irritiert ständig, und in jeder Szene.

Das die Mutter von Natalie und Henry erst verstorben sein könnte – was zumindest am Anfang angedeutet wird – interessiert für die restliche Spielzeit niemanden mehr. Und was machen Dawns Tiere, während diese in der Oberwelt mit Klötzchen spielt? Die sind scheinbar in ihrem Auto eingesperrt, dass als fahrender Zoo dient. In der Integrität seiner Figuren ist der Film also sehr unbekümmert, aber das ist er auch in seiner Sittlichkeit. Manche Dialogzeilen lassen mit ihren eindeutigen Zweideutigkeiten mehrmals heftig schlucken. Aber das ist es worauf diese Filmfassung einer kaum verfilmbaren Vorlage letztendlich auch setzt – den maximalen Klamauk auf maximaler Breite.

Jack Black und Jason Momoa überbieten sich unentwegt an Albernheiten und aberwitzigen Gezanke. Als hätte jemand hinter der Kamera einfach „Macht mal!“ gerufen. Manchmal lacht da durchaus auch der Außenstehende, aber sehr oft ist es purer Fremdschamfaktor an allen Fronten. Allerdings sind die meisten Fehlschläge ganz eindeutig der deutschen Synchronisation zuzuschreiben. Bei diesem Film ist ganz klar zu erkennen ist, dass die Schuld des Versagens nicht auf den Originaltext geschoben werden kann, was letzten Endes unentschuldbar ist. Wenn mieser Witz und noch schlechteres Sprechen einem relativ einfachen Film nicht gerecht werden, muss das verantwortliche Synchronstudio im Sinne aller Filmfreunde seine Berufung überdenken.

Zurück auf Anfang: Der Film ist auf so vielen Leveln schlecht, wie er auf so vielen Leveln gut sein könnte. Könnte er? Oder ist er es? „A Minecraft Movie“ ist kein guter Film. Aber diese Adaption erreicht die richtigen Menschen. Jared Hess‘ Film spricht nicht für sich, aber die Stimmung im Saal tut es. Zumindest für diesen Rezensenten. Selten, eigentlich nie, war eine Premierenvorstellung derart schnell ausverkauft. Und ist Applaus beim Abspann in Deutschland eher unüblich, war er hier beinahe frenetisch. Den Rest ergaben lautstarke Kommentare und angeregte Wortwechsel während der Vorstellung. Das macht aus „A Minecraft Movie“ keinen besseren Film – für die eine Seite des Publikums. Doch er scheint ein Juwel für die andere. Vielleicht muss man einen Film einfach mal einen Film sein lassen. Aber niemand soll sagen, ich hätte nicht gewarnt.

Minecraft 2 - (c) WARNER BROS.


Darsteller: Jason Momoa, Jack Black, Sebastian Hansen, Emma Myers, Danielle Brooks, Jennifer Coolidge u.a.

Regie: Jared Hess
Drehbuch: Chris Bowman, Hubbel Palmer, Neil Widener, Gavin James, Chris Galetta
Kamera: Enrique Chediak
Bildschnitt: James Thomas
Musik: Mark Mothersbaugh
Produktionsdesign: Grant Major
Schweden, USA / 2025
101 Minuten

Bildrechte: WARNER BROS.
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